Eine Stecknadel hätte man fallen hören können in jenen Räumen, in denen die Schülerinnen und Schüler von HAK und HLW sowie von BRG und BORG Kirchdorf gebannt den Worten der Zeitzeugin Anna Hackl (geboren 1931) und Rudolf Stanzel (geboren 1926) folgten.

Dieses gemeinsame Zeitgeschichte-Projekt von Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) und Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) wurde initiiert von der Schülervertretung der BHS, von Mag. Manfred Martin und Mag. Ambros Gruber. Hier konnten die unterschiedlichen Erlebnisse und die Blickrichtungen auf Nazi-Diktatur in Österreich, insbesondere auch auf das Ende dieser Zeit und des Zweiten Weltkriegs, durch persönliche Erzählungen besonders authentisch vermittelt werden.

Anna Hackl, geborene Anna Langthaler, berichtete von der „Mühlviertler Hasenjagd“, von der Rettung zweier aus dem KZ Mauthausen entkommener Offiziere der Roten Armee durch ihre Familie. Sie sprach auch von den mühsamen und angsterfüllten Monaten vom Februar bis zum Mai 1945. Berührend war ihre Erzählung von der Wiedersehensfreude mit den beiden Geretteten nach 19 Jahren Funkstille. Es gab Ehrungen der Familie durch die Sowjetunion. Anna Hackl gab Einblick in die gemeinsame Arbeit von Michail, einem Geretteten, und ihr mit dem Regisseur Andreas Gruber für den Film „Hasenjagd – vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“. Besonders berührt waren die Zuhörer, als Frau Hackl vom Treffen ihrer Mutter mit der Mutter von Nikolaj, dem zweiten Geretteten, berichtete: „Sie hat meine Mutter so fest gedrückt, dass sie gedacht hat, sie würde sie gar nicht mehr loslassen. Dann hat sie gesagt, dass sie ihr so dankbar ist, weil sie acht Söhne hatte, die im Krieg waren, und nur Nikolaj ist zurückgekehrt!“

Rudolf Stanzel, der in seiner Jugend schon bei der Hitlerjugend und im Krieg bei der Wehrmacht und dann bei der SS war, konnte den Jugendlichen deutlich vermitteln, dass er nach dem Krieg erkannte, wie verblendet und ideologisch fehlgeleitet er durch die Nazi-Diktatur gewesen war. In britischer Kriegsgefangenschaft wurde er zum Pazifisten und zum Geschichtsinteressierten. Er trägt bis heute dazu bei, die Jugend davor zu warnen, „immer nur dem Mainstream zu folgen und darauf zu achten, nicht zu den Außenseitern zu gehören“. „Schalts euchern Verstand ein, bleibts Menschen, des is wichtig!“, so sein abschließendes Statement.

Ambros Gruber

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