Dritte Jahrgangsstufe. Lehrplanthema ‚Bibel‘.
Wir lesen biblische Texte immer in Übersetzung. Die Schwierigkeit des Übersetzens lernen die Schülerinnen und Schüler kennen, indem sie selber übersetzen. Das ‚Weihnachtsevangelium‘ in die eigene Umgangssprache. Übersetzen bedeutet nichts dazuerfinden und nichts weglassen. Das ist schwierig. Wie würden wir das sagen? Suchen nach Worten. Das Ergebnis: Eine eigene Übersetzung für die familiäre Weihnachtsfeier.

Dazu zwei Beispiele einer Übersetzung – eine in gehobener Umgangssprache, eine in Kremstalerisch – vielleicht kann eine auch ihre Weihnachtsfeier bereichern.

Die Geburt Jesu
(Version gehobene Umgangssprache)

Eines Tages befahl Kaiser Augustus, dass sich alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten eintragen müssen. Dies war eine erstmalige Sache und zu der Zeit war Quirinius Statthalter von Syrien. Aufgrund von Kaiser Augustus‘ Befehl reiste jeder in seine Geburtsstadt, um sich in die Steuerlisten niederschreiben zu lassen.

Josef von Nazaret in Galiläa trat diese Reise ebenfalls an, mit seiner bereits hochschwangeren Verlobten Maria. Ihr Ziel war Judäa, um genauer zu sein Betlehem, die Stadt Davids, da Josef aus der Familie Davids stammte. In Betlehem waren die Herbergen alle belegt. Während sie dort waren, kam die Zeit für die Geburt. Maria brachte ihren Sohn auf die Welt. Sie wickelte das Baby in Windeln und bettete es in eine Krippe.

Nicht weit entfernt, passten Hirten nachts auf ihre Herde auf, als ihnen plötzlich ein Engel erschien und der Glanz Gottes sie umringte. Der Engel bemerkte die Furcht der Hirten und beruhigte sie damit, dass er ihnen eine freudige Nachricht bringen möchte. Er erzählte von der Geburt des Messias in der Stadt Davids und gab ihnen den Tipp, dass sie diesen, eingewickelt in Windeln, in einer Krippe finden werden. Auf einmal war der Engel nicht mehr alleine, sondern ein großes himmlisches Heer war an seiner Seite und sie verkündigten die Verherrlichung Gottes und den Frieden auf Erden für die Menschen dank seiner Gnade.

Sobald die Engel weg waren, beschlossen die Hirten nach Betlehem zu gehen, um den angekündigten Retter mit eigenen Augen zu sehen. Schnell gingen sie. Und sie fanden Josef, Maria und das Kind, wie verheißen, in einer Krippe. Sofort erzählten sie allen die frohe Botschaft über den Neugeborenen, was zu großem Erstaunen führte. Maria jedoch merkte sich diese Worte. Bei ihrer Heimkehr bedankten sich die Hirten bei Gott, denn es war alles so gekommen, wie versprochen.

(Hanna Radner, 5AH)

Weihnachtsevangelium
(in Mundart übersetzen)

Domois hot Kaiser Augustus gsogt das sie olle Bewohner in Steuerlisten eintragen soin.
Des wor dozumois zum ersten moi. Domois wor Quirinius da Stodthalter von Syrien. Dann san olle in de Städte gaunga um sie eintrogn zulossn. Josef is von Nazaret in Galiläa nach Judäa in de Stodt Davids gaunga, de Bethlehem horst, weil er wor a verwaundter von David. Er woit si eintrogn lossn mit da Maria, seina Verlobten. De wor schwaunga.
wis in da Stodt worn, hod d’Maria Wehn grirgt und hod ihrn erstn Sohn grirgt. Sie hodn in Windln gwückid und in an fuadatrog glegt, weil in kan Gosthaus a plotz wor.
In da Nähe worn Hirtn bei eanare Vicha auf da woard. A Engel is oba kumma und sie hom si sehr gfircht. Da Engel hod oba gsogt: „Firchts eich ned, denn es is wos foi schens gscheng und des olle wern si gfrein.
Heid is in Bethlehem da Retter auf dwöd kemma, er is da Messias.
ois Zeichn das zna erkennts, werds a Kind in Windln gwückid finden, des in an Fuadatrog liegt.
Und auf amoi worn do vü Engln, de Gott globt hom und gsogt hom: „Gelobt is Gott im Hümmi, auf der Erdn: Friedn bei den Menschen, de glaubm.
Wi de Engln wida in Hümmi zruckgflogn san, san de Hirten noch Bethlehem gaunga, um noch dem Kind zu schaun, des wos gott erna brocht hod.
Durt homs Maria, Josef und des Kind in dem Fuadatrog gseng. Wis des gseng hom, haums de Ötan vazöt wos ois gherd hom.
Und olle, de des gherd hom, hom gauns sche gschaut. Maria hod ois wos gscheng is in ihrm Herzn aufghom und hod drüba nochdocht.
Wie de Hirtn wieda zruck auf da woard worn, homs Gott globt, fir des wos erlebt hom, weil ois genauso wor.